Wenn Fliegen Bauchweh macht


Reisen mit entzündlichem Darm
Wenn Fliegen Bauchweh macht

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen schränken den Alltag der Betroffenen ein. Speziell nach Reisen kommt es häufig zu Entzündungsschüben. Grund dafür ist nicht Reisestress, sondern Sauerstoffmangel im Flugzeug oder im Gebirge. Das ergab eine Studie aus der Schweiz.

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
Die beiden häufigsten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Bei Colitis ulcerosa beschränkt sich die Entzündung auf die Schleimhaut des Dickdarms, während bei Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt von der Mundhöhle bis zum After betroffen sein kann. Beide Erkrankungen gehen mit Stuhlinkontinenz, zwanghaften Stuhlgängen und Blähungen sowie Bauchschmerzen und Durchfall einher. Dabei treten die Beschwerden nicht ständig auf, sondern in unregelmäßig wiederkehrenden Schüben. Betroffene machen häufig die Erfahrung, dass es besonders nach Reisen zu diesen Entzündungsschüben kommt. Im Verdacht stehen Reisestress und eine erhöhte Infektgefahr im Ausland.

Sauerstoffmangel ist schuld
Die Ursache für häufigere Entzündungsschübe nach Reisen wiesen Forscher vom Triemlspital in Zürich in einer kürzlich veröffentlichten Studie nach. Sie untersuchten rund hundert Patienten mit chronisch entzündlichem Darm, inflammatory bowel disease (IBD). Bei diesen traten im Folgemonat nach einem Aufenthalt in den Bergen oder einer Flugreise gehäuft Entzündungsschübe auf. Auslöser dafür ist laut Studienleiter Stephan R. Vavricka der Sauerstoffmangel, dem die Betroffenen auf Bergen oder in Flugzeugen ausgesetzt sind. Eine Flugreise entspricht einem Aufenthalt in circa 2500 Metern Höhe, was die Sauerstoffkonzentration in der Luft angeht. Sowohl nach Flugreisen als auch Urlauben im Gebirge wiesen die Forscher ähnlich starke Entzündungsschübe nach. Gewebeproben, die im Labor einem Sauerstoffmangel ausgesetzt waren, zeigten ebenfalls Entzündungen.

Alternativ mit dem Auto ans Meer

Die Ergebnisse der Schweizer Studie haben praktische Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen. Sie kennen künftig die Risikofaktoren bei Urlaubsreisen und können sich besser darauf einstellen. Wer sicher gehen will, verzichtet auf Flugreisen und fährt stattdessen mit Auto, Bus oder Zug in die Ferien. Statt Wanderurlaub in den Bergen steht dann Badeurlaub am Meer auf dem Programm. Sind trotzdem Flugreisen oder Gebirgsaufenthalte geplant, verschreibt der behandelnde Arzt spezielle Medikamente. Diese lindern die Reaktionen des Darms auf den Sauerstoffmangel und beugen Entzündungsschüben vor.

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