Diagnose Demenz


Guter Job, bessere Prognose?
Diagnose Demenz

Nach der Diagnose Demenz leben Menschen mit einem hohen beruflichen Status bis zu drei Jahre länger als Menschen mit einem gering qualifizierten Job. Schützt Bildung also das Gehirn?

Demenzen: Alzheimer und frontotemporale Demenz

Dr. Lauren Massimo von der Universität Pennsylvania in Philadelphia verglich die Krankenakten und die Biografien von 83 Personen, die entweder an Alzheimer-Demenz oder der frontotemporalen Demenz (FTD) verstorben waren. Beide Demenz-Arten gehen auf einen Untergang von Nervenzellen im Gehirn zurück. Den beruflichen Erfolg der Studienteilnehmer klassifizierten die Forscher anhand des erreichten Beschäftigungsstatus, also ob jemand als Arbeiter, Handwerker oder Verkäufer oder aber als Anwalt, Arzt oder Ingenieur arbeitet.

Überlebenszeit steigt mit dem beruflichen Status

Das Ergebnis: Menschen mit hoch qualifizierten Berufen leben nach der Diagnose FTD um bis zu drei Jahre länger als Menschen mit weniger qualifizierter Tätigkeit. In der am höchsten qualifizierten Gruppe überlebten die Menschen im Durchschnitt 116 Monate, nachdem Angehörige bei ihnen erstmals ein dauerhaft ungewöhnliches Verhalten beobachtet hatten. In der Gruppe mit dem niedrigsten Beschäftigungsstatus lag die durchschnittliche Überlebenszeit bei nur 72 Monate. Unklar ist, warum die Forscher für die Alzheimer-Demenz keinen vergleichbaren Zusammenhang zwischen Überlebenszeit und beruflichem Status nachweisen konnten.

Reserve fürs Gehirn

„Möglicherweise führt eine berufslebenslange geistig stimulierende und fordernde Betätigung zur Ausbildung einer echten geistigen Reserve des Gehirns“, erläutert Prof. Gereon Fink, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, die längere Lebenserwartung Hochgebildeter bei FTD. Als kognitive Reserve bezeichnen Wissenschaftler die Fähigkeit des Gehirns, den durch eine neurodegenerative Erkrankung verursachten Zellenabbau auszugleichen und damit die geistige Leistungsfähigkeit trotz Fortschreiten der Erkrankung lange Zeit aufrechtzuerhalten. Vereinfacht gesagt: Wer ein gut trainiertes Gehirn hat, dem schadet es weniger, wenn kleine Teile des Gehirns nicht mehr so funktionstüchtig sind.

Auch wirtschaftliche Lage berücksichtigen

„Man sollte allerdings nicht vergessen, dass ein höherer beruflicher Erfolg im Regelfall auch mit einem besseren sozialen und ökonomischen Status einhergeht“, gibt Fink zu bedenken. Der Schutzeffekt könnte also auch darauf beruhen, dass beruflich erfolgreiche Menschen meist auch wirtschaftlich besser gestellt sind, sich damit bessere Ärzte und einen gesünderen Lebensstil leisten können und mehr Unterstützung durch ihr soziales Umfeld erfahren. Deshalb müssen weitere Studien den Zusammenhang belegen.

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