Wahrnehmung der Ebola-Krise


Zu wenig Aufklärung in Deutschland
Wahrnehmung der Ebola-Krise

Ob Schweinegrippe, SARS oder Ebola – in den letzen Jahren kam es gleich mehrfach zu Epidemien. Diese sorgen nicht nur für Schlagzeilen, sondern beeinflussen auch das Verhalten von Menschen, selbst wenn diese weit weg vom Krisengebiet leben. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben untersucht, wie Menschen in Niedersachsen den aktuellen Ebola-Ausbruch wahrgenommen haben und wie er ihr Verhalten beeinflusst hat.

Deutsche über Ansteckungswege schlecht informiert

Die Forscher haben in Niedersachsen rund tausend Bürger über Ebola befragt. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass sich zwei Drittel der Befragten nicht direkt von Ebola bedroht fühlten. Gleichzeitig gaben jedoch viele Personen an, ihr Verhalten zu ändern, wenn ein Erkrankter zur Behandlung im nahegelegenen Krankenhaus eingeflogen würde. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Bevölkerung zu wenig über die Krankheit weiß. Wissenslücken bestehen vor allem hinsichtlich des Ansteckungsweges. „Bei unserer Befragung wussten beispielsweise nur vier Prozent der Teilnehmer, über welche Wege das Virus übertragen wird und über welche nicht“, berichtet Prof. Rafael Mikolajczyk, Leiter der Arbeitsgruppe epidemiologische und statistische Methoden am HZI.

Information nimmt Ängste

„Wenn die Leute Angst haben, sich mit Ebola zu infizieren, könnten sie anfangen, bestimmte Personen zu meiden, beispielsweise afrikanische Mitbürger oder Personen, die von einem Afrika-Aufenthalt zurückkehren“, erläutert Mikolajczyk. „Dies ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem, sondern kann auch verstärkt zum Verheimlichen der Erkrankung und damit zu Übertragungen führen.“

Nicole Rübsamen, Doktorandin am HZI und Erstautorin der Studie, ergänzt: „Im schlimmsten Fall kann eine von einer solchen falschen Wahrnehmung verursachte Verhaltensänderung sich auch auf den Verlauf der Epidemie vor Ort auswirken und dort zusätzliche Probleme verursachen. Wenn die Leute zu viel Angst vor der Ansteckung haben, melden sich womöglich weniger Helfer und die Epidemie wird langsamer gestoppt.“ Laut den Forschern ist es deshalb umso wichtiger, die Bevölkerung detailliert zu informieren und Fehleinschätzungen bei künftigen Epidemien zu vermeiden.

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